Raphael-Schule Soest    
Heilpraktiker-Berufsausbildung
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Humoralpathologie

Einleitung

Der Zeit der naturwissenschaftlichen oder experimentellen Medizin gingen die Phasen der theologisch gebundenen sowie der philosophisch geleiteten (oder mißgeleiteten!) Medizin voraus, also die Stadien des Glaubens (des Wunderglaubens sogar) sowie der Metaphysik und der Spekulation. Diese Tatsachen muß man in die Waagschale legen, wenn man die auf die Frühzeit der Menschheit zurückreichenden Humorallehren einer kritischen Betrachtung unterzieht. Religion und Philosophie sind durchaus nicht unerwünscht. A. Bier, der als Heraklitiker Harmonie durch Ausgleich von Gegensätzen erstrebt, hat ja gezeigt ("Die Seele"), daß Glauben und Wissen nicht unvereinbar sind, sondern sich ebenfalls in richtiger Mischung zu einer Harmonie vereinigen lassen. Aber die Medizin bedarf klarer Begriffe, "Begriffe ohne Anschauungen sind leer, Anschauungen ohne Begriffe sind blind", lehrt Kant.

Als Goethe lebte, war die dritte Phase der Medizin noch nicht angebrochen. Er konnte daher mit Recht im "Faust“ (Erster Teil) schreiben: "Der Geist der Medizin ist leicht zu fassen", herrschte doch damals noch die ärgste Begriffsverwirrung, was allerdings Heilerfolge nicht ausschloß, denn auf gar viele Weisen vermag man Kranken zu helfen, selbst dann noch, wenn man in widersinnige Anschauungen verstrickt ist.

Es ist eine Sache für sich, daß Beschäftigung mit Philosophie Mißbehagen hervorruft. "Die eine Schule sagt immer das Gegenteil von dem, was die andere für das einzig Richtige hält", stellt A. Bier fest ("Die Seele"), der auch hier Harmonie durch Ausgleich der Gegensätze für möglich hält.

A. Lumiere forscht und arbeitet ganz und gar im Geiste seines Landsmannes Claude Bernard. Er sucht, die spekulative alte Hurmoralmedizin zu verwissenschaftlichen, und dabei knüpft er bewußt an Hippokrates an. Wie A. Bier wiederholt nachgewiesen hat, ist Hippokrates weder Naturforscher noch -logiker, sondern Naturphilosoph und Praktiker. Immerhin finden wir bei ihm Ansätze zu naturwissenschaftlichen Erwägungen.

Die Lehre des Doriers ist bereits eine auf sorgfältige Natur und Menschenbeobachtung und vorurteilslose Empirie gegründete Biologie der Person. Die Säftelehre ist für sie lediglich eine Arbeitshypothese. Kennzeichen für diese Biologie der Person ist die Auffassung, daß der Mensch eine Einheit aus normalerweise ausgeglichenen (harmonischen) Strebungen ist und daß der Arzt den Heiltrieb (die Selbststeuerung) der Natur und des Organismus anerkennen, bejahen und unterstützen muß. Erst Galenos (131 bis 210 n. Chr.) kommt mit einer Humoraltherapie heraus, und zwar ist es eine starre Humoraltherapie.

Chronische Krankheiten suchte Hippokrates von Kos (460 bis 370 v. Chr.) in akute umzuwandeln, um sie leichter bemeistern zu können. Fast zweieinhalb Jahrtausende nach dem Koser hat Samuel Hahnemann, um heilen zu können, von neuem, chronische Krankheiten in akute umzugestalten versucht und die Mitwirkung des Kranken gefordert. Kurz gesagt, hat sich Hippokrates in der Therapie allezeit völlige Handlungsfreiheit bewahrt. Galenos hingegen hat sich nicht allein in der Pathologie, sondern auch in der Behandlung der Krankheiten zum Sklaven eines engen und unnachgiebigen Systems gemacht.

 

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