Raphael-Schule Soest   
     Heilpraktiker-Berufsausbildung
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Die Selbstheilung in der Natur

Wer heilen will, muß zuerst einmal die Wege kennen, die die Natur beschreitet, um eine Heilung herbeizuführen. Denn ohne die Hilfe der Heilkräfte des Organismus, ist es nicht möglich, auch bei dem geringfügigsten Krankheitszustand eine wahre Heilung herbeizuführen. Die naturheilkundliche Medizin wendet sich darum mit besonderer Sorgfalt dem Studium der natürlichen Heilvorgänge zu. Dieses Studium führt zu der Erkenntnis, daß der Organismus vier Wege kennt, um eine Heilung herbeizuführen:

  1. 1. die Regeneration,
  2. 2. die Kompensation,
  3. 3. die dynamische Stärkung der biologischen Funktion
        nach dem Prinzip der Übung,
  4. 4. die Ausleitung.

1. Naturheilung durch Regeneration

Über die Naturheilung durch Regeneration braucht an dieser Stelle nicht viel gesagt zu werden. Jeder weiß, daß in dem Augenblick, wo durch eine äußere oder innere Schädigung ein Knochenbruch, eine Wunde, ein Geschwür, eine Entzündung entstanden ist, sich sofort Wachstumsvorgänge einstellen, die zum Ausgleich der durch die Schädigung gesetzten Störung führen können.

2. Naturheilvorgang der Kompensation

Die Hypertrophie einer Niere, einer Lunge, usw. nach Entfernung des anderen paarigen kranken Organs zeigen, über welche Kompensationsmöglichkeiten der menschliche Organismus verfügt um seine physiologischen Funktionen aufrechtzuerhalten.

3. Die dynamische Stärkung der biologischen
 Funktion nach dem Prinzip der Übung

Der dritte Weg, den der Organismus zur Beseitigung einer Störung, gleich aus inneren oder äußeren Bedingungen, beschreitet, ist die dynamische Stärkung seiner Lebens- funktionen nach dem Prinzip der Übung.

Eine Grundeigenschaft des Lebens ist seine Reaktions- fähigkeit. Diese unterscheidet das Leben grundsätzlich - von toter, mechanischen Gesetzen gehorchender Materie. Das Leben steht eben unter dem Einfluß biologischer, "über- mechanischer" Gesetze. Der Münchner Arzt Franz Klein- schrod, einer der ersten ärztlichen Schüler Sebastian Kneipps, hat sein Leben der Erforschung und Fundierung dieser "Übermechanik" des Lebens gewidmet. In seinem Hauptwerk schuf er in einer umfassenden Weise wesentliche erkenntnis- theoretische Grundlagen einer biologischen Medizin. Eine der wichtigsten Erscheinungen dieser "Übermechanik" ist auch die Fähigkeit des Organismus, auf Reize irgendwelcher Art zweckmäßig zu antworten. Treten nun schädigende Einflüsse an den Organismus heran, werden sie in ihn hineingebracht oder entstehen sie in ihm, so antwortet er auf sie mit Fieber, Entzündungen, Blutungen, Erbrechen, Durchfall, Husten usw., also mit Reaktionen, deren grundsätzliche Zweckmäßigkeit unbestritten ist.

Solche Reaktionen stellen dynamische Funktionen des Organismus dar, die sich in all seinen Teilen verschiedenartig dokumentieren. Sie sind gewachsen in den Jahrmillionen der Entwicklung des Lebens überhaupt und im Kampf mit den äußeren und inneren Schädlichkeiten. Sie können geschwächt oder vernichtet werden durch Überhandnehmen der Schäd- lichkeiten. Ihre Stärkung ist nach dem Prinzip der Übung möglich durch diejenigen Einflüsse, mit denen das Leben stets fertig werden mußte, unter denen seine Widerstandskräfte, seine dynamischen Funktionen gewachsen sind. Es sind dies die funktionellen Lebensreize Wärme und Kälte, Bewegung und Ruhe, Wasser, Luft, Licht, Sonne, Erde, Ernährung und Nahrungsenthaltung und seelische Einflüsse. Diese entwick- lungsgeschichtlich wirksamen Reize waren es, die im Laufe unendlicher Zeiten die Lebensfunktionen zur Abwehr und Aneignung ausgebildet haben. Unter ihrem Einfluß standen und stehen Gesundheit und Krankheit.

Wir wissen, daß jede Funktion des Lebens durch planmäßige Übung gekräftigt werden kann, sowohl nach der Richtung ihrer Stärke als auch ihres zeitlichen Eintritts und Ablaufs. Auf dem gesamten Gebiete des Lebens sehen wir diese Tatsache immer und immer wieder bestätigt. Die Arndt-Schulz-Regel trifft nirgends so sehr zu wie gerade auf diese Verhältnisse: "Schwache Reize fachen die Lebenstätigkeit an, mittelstarke fördern sie, starke hemmen sie und stärkste heben sie auf; aber durchaus individuell ist, was sich als ein starker oder sogar stärkster Reiz wirksam zeigt." Der Nachsatz dieser Regel ist von höchster Bedeutung. Wenn wir darum eine planmäßige Übung der Lebensfunktionen fordern, so ist ihm hiermit Rechnung getragen. - Ein geschädigter und schwacher Skelett- oder Herzmuskel kann durch eine individuelle planmäßige Übung zu seiner vollen Leistungsfähigkeit zurückfinden, ebenso steht es mit jeder anderen biologischen Funktion: Exkretion, Inkretion, Immunitätsvorgänge usw.

Dieses Prinzip der Übung, das Ausnahmen haben mag und von dem Abweichungen vorkommen können, die hier bedeutungslos sind, wird vom Organismus in Anwendung gebracht, sobald es sich, wie bei der Naturheilung, um biologisch-dynamische Funktionen handelt. Ein Körper, dessen Abwehrfunktionen durch planmäßiges Inanwendung- bringen funktioneller Lebensreize, also durch "Abhärtung", genügend geübt ist, wird jede Gleichgewichtsstörung, gleich aus welcher Ursache, rascher ausgleichen als ein solcher, dem diese Übung versagt war, der also "verweichlicht" ist. Darum ist die vernünftige und maßvolle Anwendung der Lebensreize anerkanntermaßen imstande, die Gesundheit zu erhöhen, Kränkeln und Kümmern zu beseitigen.

"Was das Leben gesund erhält, wird es auch im Krankheitsfalle heilen." Nur entwicklungsgeschichtlich wirk- same Reize können die Lebenskräfte stärken. Unsere Heilreize sind darum insoweit biologisch, als sie, neben einer Unterstützung der Heilmaßnahmen des Organismus, mit diesen entwicklungsgeschichtlich wirksamen Reizen in einem inneren Zusammenhang stehen, d. h. sie zu fördern, ihre Wirkung zu verstärken oder ihnen durch Wegräumen von Hindernissen freie Bahn zu schaffen vermögen. Diese einfache und klare Feststellung enthält den Kern naturheilkundlichen Denkens und Handelns.

4. Die Ausleitung

Der vierte Weg des Organismus in seinem Selbst- heilungsbestreben ist die Ausleitung schädlicher Stoffe durch die verschiedenen exkretorischen Organe. Es ist ein uralter Menschheitsgedanke, die Krankheit sei das Bestreben des Körpers, schlechte Stoffe, die durch falsche Lebens-, Ernährungs- und Denkweise sich im Menschen angehäuft, in ihn eingeführt oder eingedrungen seien, zur Ausscheidung zu bringen; darum Schweiß, Blutverlust, Durchfälle, Harnflut, Erbrechen, Ausschläge und ähnliche Ausscheidungs- symptome.

Darum bildet auch das Prinzip der Reinigung einen wesentlichen Grundpfeiler des naturheilkundlichen Denkens. In der Volksmedizin wurde dieser, von der Säftelehre (Humoralpathologie) her verständliche Gedanke stets bewahrt. Ein großer Teil der scheinbaren Wunderheilungen des Naturheilverfahrens bei chronischen und Schwerkranken leitet sich von der oft gänzlich "unwissenschaftlichen Anwendung" solcher Arbeitshypothesen her.

Die Heilkrise

Während der Durchführung von Naturheilverfahren treten häufig sog. Heilkrisen auf. Es sind dies Zustände der Verschlimmerung der Krankheitsanzeichen. Diese Zustände zu kennen und sie zu steuern, den Kranken dabei in seiner Depression zu stützen: das ist eine der Hauptaufgaben des naturheilkundlichen Therapeuten (in). Sie erfordert Wissen, Erfahrung und Charakter.

 

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